Begegnung mit französischer Küche: ‘Was ihr nicht kennt …’

Dorothee Frauenlob

Dorothee Frauenlob spielt die Rolle der Fürstin Magdalena Sophie

Auf dem Jahrmarkt in Edingen gibt es wie in jedem Jahr auch diesmal viel zu sehen: Gaukler, Feuerspucker und eine Gruppe von jungen Mädchen, die auf einem hölzernen Pferd akrobatische Übungen vollführen. Der Narr geht wachen Auges über den Platz und kommentiert musikalisch das Geschehen, das alle noch beschäftigt:

O du lieber Augustin,
alles ist hin!
Der Graf hat nicht geduldet,
dass man im Dorfe bleib.
Wer ihm Gehorsam schuldet,
zieht jetzt mit Vieh und Weib
und Kind von Hof und Haus -
sieht das nicht düster aus?!
O du lieber Augustin
- alles ist hin!

Etwas ist in diesem Jahr neu: Nach ihrer Ansiedlung in Daubhausen haben zum ersten Mal auch die Hugenotten einen Marktstand. Sie stellen ihre handwerklichen Erzeugnisse, insbesondere gewobene Stoffe, aus, und bieten den Einheimischen als Höhepunkt etwas zu essen an – kostenlos!

Aber ach! Die deutschen Bauern, das einfache Volk, lehnt die ungewohnten kulinarischen Genüsse ab! ‘Recht so!’, versetzt der Narr ironisch:

Was ihr nicht kennt, fresst lieber nicht!
Macht nur ein finsteres Gesicht.
Vielleicht ist’s ja gescheiter,
ihr geht jetzt wirklich weiter!?
Es darf nichts Fremdes sein.
Lasst euch auf gar nichts ein!

Doch wer was Neues wagt -
dem sei es hier gesagt:

Probieren, Probieren
geht über Studieren,
hab dazu nur den Mut,
vielleicht ist es ja gut?

Probieren, Probieren,
geht über Studieren,
so schlimm kann’s ja nicht sein.
Lass dich mal darauf ein.

Einer der Landmänner hört auf ihn: ‘Also, ich probier das jetzt mal. Aber nur ein bisschen!’ Und schon wollen alle wissen, wie es schmeckt. Und siehe da: Das fremde Essen mundet gut!

Bäuerin:  Was kostet das?
Vendeur:  Rien. Nischts.
Bauer 2:  Nichts!?
Vendeur:  Nein.
Bauer 1 (mit schlecht verhohlener Gier):  Dann gib mir mehr davon.
Bäuerin:  Mir auch!
Vendeur:  Bittescheen. (Während er austeilt) Und dir?
Bauer 2:  Na gut! Ich nehm auch noch was.

Hintergrund

‘Lass dich mal darauf ein’ - ein guter Rat für alle, die mit Fremdem, Unbekanntem, Angstmachendem konfrontiert sind. Klaus Vollmer, ein weiser Gottesmann und eben 80 Jahre alt geworden, lehrt: ‘Wann immer du vor etwas Angst hast, geh darauf zu!’

‘Wann immer du vor etwas Angst hast, geh darauf zu!’

Wer das tut – wer dem Fremden offen begegnet, ohne sich selbst zu verleugnen, der wächst. Der lernt Neues kennen. Dessen Horizont erweitert sich. Denn ‘Wenn ein Horizont gegen Null geht, wird er zum Standpunkt.’

Im Tiefsten geht es darum, das Leben als Prozess der Veränderung zu bejahen. Oder, wie es die Schriftstellerin Ricarda Huch formuliert:

‘Alles Menschliche will Dauer, Gott will Verwandlung.’

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